
Am vergangenen Wochenende herrschte auf dem Schießstand des Schützenvereins Quickborn-Renzel wieder absoluter Hochbetrieb. Denn die Landesmeisterschaften der Vorderladerdisziplinen standen auf dem Programm an. Für viele Teilnehmer bedeutete das Event echten sportlichen Marathon, da sie in mehreren Disziplinen gleichzeitig an den Start gingen.
Spitzenreiter im Dauerbrenner-Programm war Walter Boysen, der stolze 10 verschiedene Disziplinen absolvierte. Dicht auf den Fersen waren ihm Ralph Nolte mit 8 Starts sowie Peter Kletzin und Frank Zonak mit jeweils 7 Starts. Auch Günther Giesbrecht (6 Starts), Harald Jahn, Uwe Vogt (je 6 Starts) sowie Carsten Cordes, Angelika Nolte, Michael Gust, Thomas Krumm und Peter Menzer (je 5 Starts) zeigten enormen sportlichen Ehrgeiz und traten mehrfach an. Für die Schützen bedeutete dies oft puren Stress: Kaum war ein Wettkampf beendet, hieß es schnell den Vorderlader wechseln, um direkt auf dem 50- oder 100-Meter-Stand die nächste Herausforderung anzunehmen.
Obwohl das Vorderladerschießen nach wie vor als Männerdomäne gilt, zeigten die Damen bei diesen Landesmeisterschaften auch ihr Können. Mit Birgit Bruhn, Gabriele Kleuter, Angelika Nolte, Kerstin Petersen, Anita Schröder, und Andrea Zonak kämpfte eine Frauenriege erfolgreich um Titel und Platzierungen.
Als absolute Medaillen-Garanten entpuppte sich dabei das Ehepaar Angelika und Ralph Nolte, die zusammen unglaubliche 17 Einzel- und Mannschaftsmedaillen einheimsten.
Ralph Nolte sicherte sich im Einzel insgesamt 6 Mal Edelmetall, darunter stolze 5 Mal Gold.
Seine Frau Angelika stand ihm nichts nach und gewann im Einzel 5 Medaillen, davon 3 Mal Gold. In ihrer Paradedisziplin, dem Perkussionsfreigewehr 100 m, glänzte Angelika Nolte mit herausragenden 142 Ringen. Damit bewies sie eindrucksvoll, dass sie völlig zu Recht für das Deutsche Nationalteam und die anstehenden Weltmeisterschaften in Österreich nominiert wurde.
Die Meisterschaften verlangten den Schützen ein enormes Maß an Flexibilität ab, da der Wechsel zwischen den verschiedenen Kurzwaffen-Disziplinen die ständige Umstellung auf völlig unterschiedliche technische Gegebenheiten erfordert.
So ist die Steinschloss-Pistole ein Einzellader, bei dem im Gegensatz zu modernen Waffen erst das Pulver in der Pfanne abbrennen muss, bevor der eigentliche Hauptschuss bricht. Das erfordert ein extrem langes Nachhalten. Bewegt der Schütze die Waffe im Moment des typischen „Zischens“ auch nur einen Millimeter, ist die erhoffte Zehn weg.
Die Perkussionspistole ist zwar ebenfalls ein Einzellader, bricht den Schuss durch das Zündhütchen jedoch wesentlich schneller und direkter. Hier müssen sich die Sportler von der trägen Zündung des Steinschlosses blitzschnell auf eine fast „moderne“, direkte Schussauslösung umstellen.
Beim Perkussionsrevolver wiederum wartet eine ganz andere Herausforderung: Als Mehrlader verlangt er dauerhafte, lückenlose Konzentration, da hier 5 Schuss am Stück abgegeben werden müssen.
Auch bei den Gewehren zeigten sich die vielseitigen Anforderungen des Sports:
Wie auch bei den Kurzwaffen gibt es hier die Steinschlosszündung und die Perkusionszündung.
Das Klassisches Perkussionsgewehr wird als zivile Sport- und Jagdwaffe auf der 50-Meter-Distanz im Stehen geschossen.
Das Perkussionsfreigewehr wird auf 100 Meter liegend geschossen. Hier sind moderne Hilfsmittel wie Diopter-Visierungen und Ringkorn erlaubt.
Das Perkussionsdienstgewehr ist ein ehemaliges Militärgewehr, das ebenfalls auf 100-Meter-geschossen wird. Hier müssen die Schützen jedoch ganz ohne moderne Hilfsmittel auskommen – nur mit Kimme, Korn, purer Muskelkraft und maximaler Präzision geht es hier ins Schwarze.