Eine Sportschützin visiert das Ziel mit ihrem Gewehr an
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September 6, 2026
Margrit Kunde

Landesmeisterschaft im Bogenschießen

Extremes Wetter, Kuriositäten und ein Premierensieg.
Extremes Wetter, Kuriositäten und ein Premierensieg Es war ein Wochenende des großen Zusammenhalts und sportlicher Leistungen. Bei den Landesmeisterschaften erlebten Sportler und Zuschauer auf dem Platz alles, was den Bogensport so faszinierend macht – von Respekt über wetterbedingte Zerreißproben bis hin zu überraschenden Erfolgen.
Bevor der erste Pfeil flog, wurde es auf dem Platz ganz still. Die Bogensport-Gemeinschaft hielt inne, um Rolf Windel zu gedenken, dem langjährigen Spartenleiter der Bogensparte im TSV Holm, der vor einem Monat verstorben war. Ihm zu Ehren wurde vor dem Start eine Gedenkminute abgehalten. Windel hatte vor genau 40 Jahren die Bogenabteilung des TSV Holm mit ins Leben gerufen und den Sport in der Region über Jahrzehnte maßgeblich geprägt.
Am ersten Wettkampftag ließ es sich der Bürgermeister der Gemeinde, Uwe Hüttner, nicht nehmen, persönlich vorbeizuschauen, um die Landesmeisterschaften live zu verfolgen. Als Zeichen der Anerkennung und Verbundenheit hatte die Gemeinde zudem ein besonderes Geschenk im Gepäck: Drei Apfelbäume wurden für die besten Mannschaften des Turniers gestiftet – ein symbolisches und nachhaltiges Präsent, das sicher einen Ehrenplatz finden wird.
Heftiger Dauerregen und extrem starke Böen am Samstag verlangten den Schützen alles ab. Für den jungen Recurve-Schützen Emil Sperber (SV Mönkeberg) war es eine emotionale Zerreißprobe. Die Enttäuschung saß noch tief, da er trotz zweier guter Ranglistenschießen vom Bundesbogentrainer nicht für die Europameisterschaft in Rom nominiert worden war. Trotzdem behielt er die Nerven und schoss ein tolles Ergebnis von 661 Ringen. Auch Jamy Marc Dögow (ESV Insel Fehmarn) wuchs an diesem Tag über sich hinaus und erzielte in der Schülerklasse ebenfalls hervorragende 661 Ringe.
Der Sonntag präsentierte sich von den Temperaturen her angenehm und vor allem trocken, doch der Wind blieb weiterhin eine große Herausforderung. Auf der gesamten Fläche gab es unberechenbare Windzonen. Während in der Mitte des Bogenplatzes die Böen plötzlich einschlugen, stand die Fahne auf den auf den ersten Ständen steil im Wind, während sich der Wind zum Ende des Platzes schon wieder komplett anders verhielt.
Wie rasant diese Böen waren, zeigte sich an der Scheibe von Mareike Johannson (1. Kellinghusener Bogenclub). Der Wind rüttelte bei einer Passe so heftig an der Scheibe, dass sie ständig flatterte. Natürlich konnte sie darauf nicht schießen. Während die rund 60 anderen Schützen Pause hatten, da sie ihre Passen regulär beenden konnten, stand sie völlig alleine mit Kampfrichterin Katja Bartels an der Startlinie und neuer Scheibe und brachte ihre sechs Pfeile sicher ins Ziel.
Nele Krippahle, ebenfalls vom 1. Kellinghusener Bogenclub, kämpfte unterdessen mit einer nagelneuen Stramitscheibe. Diese war so fest, dass die Pfeile extrem tief eindrangen und sich kaum herausziehen ließen. Beim mühsamen Herausziehen blieb zudem das Stramit-Material an den Pfeilen kleben. Doch sie bewies Erfindergeist: Kurzerhand organisierte sie eine Blumenvase voller Wasser, in der sie ihre Pfeile in den Pausen einweichte. Danach ließen sich die Reste abwischen, und die Pfeile flogen wieder optimal. Nele Krippahle brachte dieses aber nicht aus dem Konzept, denn sie wurde bei den Compund Damen mit 628 Ringen souverän Landesmeisterin.
Echtes Teamwork zeigten auch einige Trainer, Betreuer und Eltern. Um den Schützen nach der anstrengenden ersten Runde (36 Pfeile in 6 Passen) die Wartezeit am Essensstand zu ersparen, holten sie bereits während der laufenden sechsten Passe die Verpflegung. Kaum war der letzte Pfeil im Gold, standen Pommes und Currywurst bereit – die perfekte Stärkung ohne Zeitverlust.
Sportlich wurden die Favoriten in den National- und DSB-Kadern ihrer Rolle absolut gerecht. Weltklasse-Schütze Florian Unruh und DSB-Nachwuchs-Kaderschütze Knut Jacubczik zeigten ihre ganze Klasse und gewannen souverän die Goldmedaillen in ihren Klassen.
Für eine Überraschung sorgte Robin Moinian vom TSV Mildstedt. Vor dem Wettkampf hatte er noch erzählt, dass er bisher noch nie bei einer Landesmeisterschaft auf einem Podest gestanden habe. In diesem Jahr klappte es endlich: Er schaffte nicht nur den Sprung aufs Treppchen, sondern ließ die gesamte Konkurrenz hinter sich. Er holte sich die Goldmedaille und krönte sich zum neuen Landesmeister bei den Compound-Herren.
Landesbogenreferent Kai Janke richtete seinen herzlichen Dank an alle Sportler, Funktionäre und Helfern, die trotz der Wetterkapriolen für einen absolut reibungslosen Ablauf der Titelkämpfe gesorgt hatten.
Ein ganz besonderes Lob gab es von den Kampfrichtern, die sich begeistert vom Verhalten auf dem Platz zeigten. Anstatt nur auf den eigenen Vorteil zu schauen, wurde sportliche Fairness an diesem Wochenende großgeschrieben – jeder half jedem, wo er nur konnte. Dieses gelebte Fairplay machte die Meisterschaft zu einer rundum gelungenen Veranstaltung.
Bogenkampfrichterobfrau Katja Bartels schloss sich diesen Worten an. Sie bedankte sich ausdrücklich bei ihrem gesamten Team aus Kampfrichtern und Aufsichten für die geleistete Arbeit unter den schwierigen Bedingungen. Das gesamte Organisationsteam hatte über beide Tage hinweg Hand in Hand gearbeitet und diese Landesmeisterschaft bravourös über die Bühne gebracht.

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