
„Hier im Landesleistungszentrum (LLZ) ist ja heute überhaupt nichts los!“, sagte ein Schütze am Wochenende mit einem Augenzwinkern. Die Realität sah aber völlig anders aus: Der Parkplatz des LLZ war gerammelt voll – so voll, dass die Fahrzeuge sogar auf die gegenüberliegende Straßenseite ausweichen mussten.
An beiden Wettkampftagen herrschte auf den Anlagen absolute Hochspannung und reger Betrieb. Ob auf dem Kleinkaliberstand, dem Luftdruckwaffenstand oder dem Großkaliberstand – überall wurde verbissen um die Landesmeistertitel, Platzierungen und die Tickets für die Deutschen Meisterschaften gekämpft. Viele Favoriten hielten dem Druck stand und konnten ihre Titel erfolgreich verteidigen. Auf der anderen Seite gab es aber neue Landesmeister, bei denen die Freude riesengroß war, weil sie den einen oder anderen Favoriten erfolgreich vom Thron stoßen konnten. Ein tolles Beispiel dafür ist Tatjana Reckendorf (Erster Eckernförder SchV). Bei ihrem ersten großen Wettkampf im Wettbewerb 25 m Revolver .45 ACP schoss sie ein super Ergebnis und wurde mit dem 3. Platz belohnt.
„Dass Alter im Sport keine Rolle spielt, bewies Claus Closius vom PC Rendsburg eindrucksvoll“. Als ältester Teilnehmer trat er mit sage und schreibe 87 Jahren noch an drei verschiedenen Großkaliberwettkämpfen teil.
Dass der Sport auch seine ganz eigenen, kuriosen Geschichten schreibt, zeigte sich an diesem Wochenende ganz deutlich. Beim Reinigen seines Revolvers vor den Landesmeisterschaften war Bilal Bakindi (TSV Klausdorf) mit dem Schraubendreher abgerutscht und hatte sich diesen in den Daumen gerammt, wodurch er verletzungsbedingt unter starken Schmerzen antreten musste. Am nächsten Tag kam es noch schlimmer, als die gereinigte Waffe einen Defekt hatte und er auf einen Ersatzrevolver ausweichen musste. Trotz dieses Handicaps kämpfte er sich durch und qualifizierte sich erfolgreich für den Endkampf.
Zum Endkampf trat er dann mit einem Revolver von einem Schützenkollegen – Stefan Degler – an. Damit sorgte Bilal Bakindi für ein echtes Unikum, das im Schießsport Seltenheitswert hat: Er benötigte im Laufe eines einzigen Wettkampfes sage und schreibe drei verschiedene Revolver, um diesen überhaupt beenden zu können.
Bei den fünf Probeschüssen setzte Bilal Bakindi die Schüsse bei der 8 auf 12 Uhr. Nach Rücksprache mit der Standaufsicht und dem Leihgeber Stefan Degler erhielt er die Freigabe zur Visierkorrektur. Nach einer kurzen fachlichen Diskussion darüber, wie weit nachjustiert werden müsse – im Raum standen drei bis vier Klicks –, entschied er sich, das Visier um vier Klicks („Knacken“) zu verstellen. Nach den ersten fünf Wertungsschüssen korrigierte er das Visier nochmals um weitere zwei bis drei Klicks, was das Trefferbild verbesserte. Am Ende reichte es unter diesen turbulenten Umständen zwar nicht mehr für einen Podestplatz, dennoch zog Bilal Bakindi zum Abschluss des Wettkampfes ein positives Fazit: Der geliehene Revolver habe trotz allem hervorragend in der Hand gelegen.
Auch hinter den Kulissen wurde logistische Höchstleistung geboten. Die Sportleitung hatte alle Hände voll zu tun, um die Ummeldungen reibungslos zu koordinieren und bei Fragen Rede und Antwort zu stehen. Auch die Waffenkontrolle hatte alle Hände voll zu tun, um die Sportgeräte zu überprüfen! Nach dem abgeschlossenen Wettkampf wurden zügig die Urkunden gedruckt, damit die Siegerehrung schnell vonstattengehen konnte.
Ein ganz besonderes sportliches Highlight lieferten die Kampfrichter und die Standaufsichten rund um Rolf Eckstein! Von wegen, nur die Schützen betreiben hier Sport: „Die Schützen sind die Sportler, weil sie schießen, aber wir sind auch Sportler – und zwar Laufsportler!“, hieß es aus dem Team. Nach jeweils fünf Schuss bedeutete das jedes Mal: ab nach vorne, Scheiben wechseln und wieder zurück. Und das zigmal am Tag, bei vier verschiedenen Wettkämpfen. Ein echtes Mammutprogramm zu Fuß!
Was wäre so ein langes Wochenende aber ohne die richtige Stärkung? Ein riesiges Lob geht an das Catering-Team, das von morgens früh bis nachmittags alle Schützen, Betreuer, Fans und Kampfrichter verwöhnt hat. Von frisch belegten Brötchen am Morgen über ein deftiges Mittagessen mit Currywurst, Schnitzeln und leckerer Spargelsuppe bis hin zu einer großen Auswahl an Torten und Kuchen war alles dabei. Hungrig musste hier garantiert niemand nach Hause fahren!